Samstag, 19. Mai 2012

Priesterinnenweihen...

Ein Kommentator "fragt", inwifern das Apostolische Schreiben des seligen Papstes Johannes Pauls II. "Ordination Sacerdotalis - über die nur Männern vorbehaltene Priesterweihe" (1994) denn nun eigentlich als endgültig zu verstehen und also zu halten sei.
Dieses Schreiben sei nurmehr die Privatmeinung jenes Papstes und darum sei die weitere Diskussion über das Frauenpriestertum legitim... so jedenfalls die Privatmeinung einer dritten Person, auf die sich der Kommentator bezieht.

Ich nehme mir mal heraus, darauf etwas zu erwiedern.

Nunja... Zum einen muss man sagen, dass es nicht das erste mal war, dass Rom sich zu dieser Frage äußerte. Da zunehmend, etwa bei den Anglikanern, die Frauenordination en Vogue wurde, hat sich bereits 1976 die Glaubenskongregation, also noch unter Paul VI., mit der Erklärung "Inter Insigniores" recht umfassend und eindeutig zu der Frage geäußert (Lektüre empfohlen). Dieses Schreiben hat jener Johannes Paul später mit der Enzyklika "Mulieres dignitatem" (über die Würde der Frau!) 1988 bestätigt.

Zur Frage der "Privatheit" von Ordinatio Sacerdotalis und der darin ausgedrückten Endgültigkeit... lassen wir doch den Papst selber zu Wort kommen:
»Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), daß die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.«

Ob das nun wie eine Privatmeinung klingt mag jeder für sich entscheiden... aber die "Kraft des Amtes" (virtute ministerii) klingt zumindest für meine Ohren etwas anders.
Ob nun aber das Wort "endgültig" (definitive) vielleicht nicht als "endgültig" zu verstehen ist bzw. was es damit auf sich hat, dazu gab es bereits 1995 eine Anfrage an Rom: 
»Ob die Lehre, die im Apostolischen Schreiben Ordinatio sacerdotalis als endgültig zu haltende vorgelegt worden ist, nach der die Kirche nicht die Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, als zum Glaubensgut gehörend zu betrachten ist.«

Und die Antwort der Kongregation für die Glaubenslehre lässt an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig... sie lautet:
»Ja.«

Mit einem erklärenden Text: 
»Diese Lehre fordert eine endgültige Zustimmung, weil sie, auf dem geschriebenen Wort Gottes gegründet und in der Überlieferung der Kirche von Anfang an beständig bewahrt und angewandt, vom ordentlichen und universalen Lehramt unfehlbar vorgetragen worden ist (vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 25,2). Aus diesem Grund hat der Papst angesichts der gegenwärtigen Lage in Ausübung seines eigentlichen Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), die gleiche Lehre mit einer förmlichen Erklärung vorgelegt in ausdrücklicher Darlegung dessen, was immer, überall und von allen Gläubigen festzuhalten ist, insofern es zum Glaubensgut gehört.«

Also: Ist nun die Feststellung(!) von Papst Johanens Paul II., dass die Kirche keine Vollmacht hat, Frauen zur Weihe zuzulassen, die Privatmeinung dieses Papstes? Was müsste denn noch getan werden, damit die Position Roms (und der Kirche) in dieser Sache klar wird? Muss es etwa in greller Neonschrift von einem Ende des Horizontes zum anderen vom Herrgott persönlich hingesprayt werden?
Das einzige, was man jetzt noch tun kann, um weiterhin das Frauenpriestertum zu fordern ist: Auf die Erklärung der Glaubenskongregation pfeiffen... aber dann kann man ebensogut auf alles pfeiffen, was die Kirche lehrt und zu glauben vorlegt und sich nur das herauspicken, was einem schmeckt... (der Fachausdruck hierfür lautet "Häresie"; vom griechischen "haireomai", "ich wähle"). Welche Früchte erwartet aber jemand für die Kirche, wenn er dies tut?


EDIT:  Im Grunde läuft das Ganze so ab (und mehr isses nich):
 

  • Aufruhr von unten (ZdK, Kirchenvolksbegehren, etc.): Lasst uns Frauen weihen!
  • Papst (aka "oberster Waszusagenhaber") sagt: Geht nicht. Das ist endgültig. Haltet euch dran.
  • Anfrage von unten: Ist das endgültig?
  • Antwort von oben: Ja. Endgültig (s.o.).
  • Aufruhr von unten (ZdK, Theologenmemorandum, etc.): Lasst uns Frauen weihen!

Und jetzt? 

Kommentare:

  1. Ich danke und werde es weitergeben

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  2. Bei Kindern läuft das auch so wenn sie was nicht akzeptieren wollen: Nein - doch, Nein - doch, Nein -doch ... mit dem Fuß aufstampf: Ich will aber nicht!

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  3. Ich werfe bei dieser Frage immer gerne noch can. 750 §2 ein. Wer das nicht eindeutig findet, hat echt einen an der Waffel.

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