Freitag, 1. Juni 2012

Zweckmäßigkeit

Heute konnte ich mich wieder prächtig über unseren Aushilfsmesner aufregen... der Mann ist ein lebender Zufallsgenerator!
Wo das Altarmikro liegt, wo die Hosteinschalge sich auf der Kredenz befindet (zuweilen auch AUF dem Kelch...) bzw. ob es überhaupt eine gibt, ob Kollekte gemacht wird, wo das Messbuch für die Oration aufgeschlagen ist, wieviele Kerzen am Altar oder bei der Maria brennen, welche Farbe das Kelchvelum hat und wie es auf/über dem Kelch liegt, ob die Beleuchtung im Hauptschiff und/oder im Chor an ist, wieviel Wasser im Kännchen ist, welche Albe für den jeweiligen Zelebranten bereitliegt, ob der Schlüssel im Tabernakel steckt... alles scheint von ihm vor jeder Heiligen Messe ohne jede Gesetzmäßigkeit pro hac vice festgelegt zu werden. Und als ihm dann heute während der Messe einfiel, dass die Hostienschale fehlte, rannte er einfach während des Tagesgebetes quer durch den Altarraum in die Sakristei um sie zu holen (anstatt z.B. bis zur Predigt zu warten oder einen anderen, passenderen Momant abzuwarten). Offensichtlich herrscht auch ein Mangel an jeglichem liturgischen Taktgefühl. Wenn ich ministriere kann ich das meiste noch vor der Messe in Ordnung bringen, aber wenn ich, wie heute, nicht ministriere (z.B. aus Zeitmangel), kann ich nur hilflos zugucken... (es spielt übrigens keine Rolle, ob man ihm sagt oder gar zeigt, wie er was zu machen hat... er weiß es besser).

Nun mag mancher meinen "Ach komm, reg dich nicht auf, das ist doch nebensächlich." Stimmt, es sind alles Nebensachen, denn die Hauptsache ist der HErr, der gegenwärtig wird. 
Aber. 
Aber: Es gibt in der Liturgie, auch wenn man sie natürlich nicht verzwecken sollte, dennoch einen "zweckmäßigen Hintergrund" auf dem sie ruht. Jene Nebensachen dienen ja einzig der Hauptsache und sind darum also noch lange nicht unwichtig. Es dient ja gerade der reibungslosen und andächtigen Liturgie, also ihrem würdigen Vollzug, wenn alles dafür Benötigte ordentlich hergerichtet (und v.a. auch DA ist). Natürlich braucht eine schöne Messe auch Raum für den Heiligen Geist (der z.B. die Ministranten in-spiriert); aber nichts desto trotz bedarf es einer gewissen Ordnung. Sei es, damit es keine Verzögerungen und Umständlichkeiten gibt, sei es, dass der liturgische Ablauf nicht unnötig durch sinnloses oder zumindest vermeidbares Rumgerenne beeinträchtigt wird.
Mag ja sein, dass es eine Nebensächtlichkeit ist, aber es zehrt doch an der Würde der Liturgie und am eigenen inneren Mitvollzug, wenn wegen der Vergesslichkeit des Mesners die Kollekte während des Hochgebets gehalten wird, oder das Tagesgebet von Schrittgeräuschen im Altarraum begleitet wird (ganz davon abgesehen, dass dem Übeltäter das Gebet und die Liturgie an sich folglich recht egal zu sein scheinen).

Der Job des Mesners bedarf einiger spezifischer Eigenschaften... die vielleicht wichtigste davon ist die Pedanterie... es gibt einfach unzählige Kleinigkeiten, zumal in einer großen Kirche wie die, in der ich beheimatet bin, die zu beachten sind und die getan werden müssen... und da kann man sich nicht auf den Zufall verlassen. Das sind einfach Dinge die, freilich immer entsprechend den Erfordernissen der jeweiligen Messe (Fest, Ritusform, umgebende liturgische Vollzüge und Sakramentalien etc.) getan sein müssen. Wer damit nicht klarkommt, wer es schlichtweg nicht sieht, wenn da was fehlt oder dort etwas falsch ist, der ist für den Job schlicht ungeeignet. Basta.
Diese Aushilfe ist übrigens nicht "neu" im Geschäft, der macht das bei uns schon seit über 15 Jahren... (ich für meinen Teil habe das "Mesnern" schon mehrfach komplett übernehmen müssen... ich wusste schon beim zweiten Mal wie der Hase läuft und kannte mich nach einem Jahr als Ministrant blind in der Sakristei aus)... aber weil wir niemand anderes für den Job finden... alle Bewerber kamen mit der Komplexität der Aufgaben nicht zurecht (unser Mesner ist zugleich noch Hausmeister der Kirche und der angeschlossenen Pfarreiräume samt Kloster) und sind nach wenigen Tagen geflüchtet.

Hoffentlich ist unser eigentlicher Mesner bald aus dem Urlaub zurück... der ist genau so ein Pedant wie ich ;)

Kommentare:

  1. Nach über 9 Jahren als Küster und 15 Jahren als Ministrant, sag ich mal ein kräftiges "Amen!" dazu.

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  2. Ab und an als Orgelaushilfe angefragt, bekommt man es natürlich auch mit den unterschiedlichsten Mesners zu tun. Meine Erfahrung: Sehr überwiegend sind die alle nett und hilfsbereits, die wenigen anderen aber sind Drachen, und das 150prozentig.

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