Montag, 29. April 2013

Diakonat der Macht

eine priesterliche Frau: Maria Magdalena
Ich habe mich hier schon mehrmals recht ausführlich mit der Frage des "Frauenpriestertums" befasst (siehe Label) und ich habe überhaupt keine Hemmungen, auch die Frage von Diakoninnen und Diakonissen unter diesem Stichwort zu summieren.

Denn am Ende geht es nur darum.
Wie Manfred Hauke hier sehr schön herausstellt, würde die Schaffung eines nichtsakramentalen Amtes, das man dann etwa Diakonisse nennt, letztlich nur als Diskriminierung empfunden werden. Es wäre dann noch sehr viel weniger einsichtig, warum man Frauen nicht "auch" zu Priesterinnen und Bischöfinnen weiht. Dass dabei ein Kategorienfehler vorliegt, weil ja auch die "Diakonisse" nicht sakramental geweiht wäre, interssiert dabei keine Sau: Wenn wir Anfangen Ämter zu erfinden, wird niemand mehr Verständnis dafür aufbringen können/wollen, dass wir die Zugangsbedingungen zu bestimmten Ämtern nicht nach Belieben festlegen können.
Kein Mensch bei Verstand würde sich allen ernstes mit so einem "neuen Amt für Frauen" zufrieden geben, man wird es automatisch nur als "Schritt in die richtige Richtung" auffassen. Diese Wahrnehmung wird nicht zu vermeiden sein. Zugzwang entsteht, man schielt zu den Anglikanern und phantasiert sich schon den gleichen Weg einschlagend.

Und genau das steckt m.E. auch hinter diesem Getue um das "neue Amt". Wer ein nichtsakramentales Diakonenamt für Frauen fordert, will genau dies erreichen. Fakten schaffen, die Diskussion verkomplizieren, das Wesen des Weiheamtes schwächen und das Lehramt der Kirche in unüberwindbare Begründungsnot manövrieren. Und ehe man sichs versieht, haben wir anglikanische Verhältnisse.


Zwar lebe ich immer nach dem Grundsatz, nirgendwo Böswilligkeit zu unterstellen, wo Dummheit als Erklärung ausreicht, aber dass in dieser Gremienkirche gelogen wird, und dass gerade die Fachleute das "Volk" belügen um ihre Agenda zu drücken (gerade unter Theologen sehr beliebt...), ist ja nicht erst seit den jüngsten Äußerungen des "Gesocks" beim Z(d)K bekannt. Die Theologen, die das "Recht" der Frauen auf eine Weiheamt fordern WISSEN sehr genau, dass es kein Recht auf den Empfang des Weihesakramentes geben kann - für niemanden. Aber anders können sie in ihrem Treiben nicht überleben.
Mir wäre es lieber, diese Leute würden einfach ganz offen reden und freimütig erklären, dass sie an der Macht, die die Bischöfe de facto in der Kirche haben, beteiligt werden wollen, zu gleichen Teilen. Um nichts anderes geht es. Nicht um die Kirche, die Sakramente, das Heil der Seelen oder die liebevolle Hingabe an Christus... denn für dies alles und noch viel mehr haben Frauen eine große Bandbreite an Möglichkeiten und Berufungen offenstehen... Die Heiligen bilden wie in einem Orchester diese Vielfalt und Vielstimmigkeit exemplarisch und kunterbunt ab!
»Nicht die Amtsträger sind die grossen Gestalten der Kirche, sondern die Heiligen.« (Hauke)

Wer in aller Demut und Hingabe Gott in seiner Kirche dienen will, der kann so eine Forderung gar nicht stellen, da jener Dienst eben nur in der Kirche und also im Gehorsam gegen sie geschehen kann. Wer demütig ist, kann nicht nach einem Amt verlangen. Wer demütig ist, der klagt nicht seine "Rechte" ein, v.a. dann nicht, wenn sie nicht existieren.
Katharina von Siena, der die Kirche heute gedenkt und die von gewissen kirchensteuergepolsterten Laiengrüppchen mit hauptsächlich weiblicher Besetzung zur Schutzpatronin ihrer karrieristischen und neo-klerikalen Agenda missbraucht wird, hat genau das gelebt und vorgemacht. Nur darum konnte sie Papst, Königen und Kardinälen die Stirn bieten: Weil sie sich in aller Demut nicht nur der Kirche, sondern auch den Menschen, gerade auch den Kranken, völlig anheimgegeben hat. In dieser Hingabe, in dieser Demut die nichts für sich will, nichts fordert, hat sich ihr Selbstbewusstsein gebildet und ihr Eifer für die Kirche, der sie dazu Trieb, gegen die Missstände in ihr mit scharfer Zunge vorzugehen.

Die Funktionäre, möchtegern Frauenrechtlerinnen und machtgeilen Idioten (wie gesagt: Dummheit, statt Böswilligkeit) sehen das nicht. Es kommt nicht im Entferntesten in ihr Blickfeld. Es geht nur um Strukturen, um Macht und Institution. Daher ist es wenig verwunderlich, dass solch existentielle Fragen wie etwa die Neuevangelisierung an der gestern beendigten Diözesanversammlung keine Rolle spielten. Nichtmal ein Schatten einer Ahnung einer Andeutung auch nur in die grobe Richtung dessen, was Neuevangelisierung genannt werden kann. (Neuevangelisierung besteht nämlich nicht darin, dass man es "drinnen" so gemütlich herrichtet, dass jeder es toll finden kann; Neuevangelisierung geht auschließlich dadurch, dass man hinaus geht zu den Menschen!) 
Neue Räte, Gremien und Ämter wurden von den Versammlungsteilnehmern gefordert. Man will es sich eben im eigenen Beamtenapparat so bequem wie möglich machen (bedeutet: möglichst viel Beschäftigung mit sich selbst) und dementsprechend dann halt auch eine Frauenquote für die Führungsetage einführen. Darum geht es bei dieser ewigen "Diskussion" um "neue Ämter für Frauen"... aber es sind ja nicht einmal Diskussionen, es ist nur das bockige Kind das schreit und brüllt, weil es will will will... Macht will das Kind, stark will es sein! Sogar stärker als Papa und Mama zusammen!

Die "Anregung" eines Diakonats der Frau, sakramental oder nicht, ist eine Lüge, weil es immer nur eine "Etappe" ist (und sein kann)... leider lassen sich sogar manche gutmeinende Bischöfe von dieser Lüge einlullen, als wäre es das, was letztlich gewollt wird. Ist es nicht. Es ist nur eine Farce.

Puh... das is jetz schon der zweite Auskotzeintrag in kurzer Folge... das geht aber gewiss vorbei, wenn über die Diözesanversammlungseuphorie Gras gewachsen ist... which will happen much sooner than you think!

Was wir brauchen

 

Wir brauchen keine neuen Ämter, sondern neue Heilige. 

(Frischer Wind, hier)

Sonntag, 28. April 2013

It's insane!


Ich lebe in einer Diözese, in der Kirchenfunktionäre auf allen Ebenen den lieben langen Tag nichts anderes zu tun scheinen, als ihre eigene Kirche zu marginalisieren und sich und alle für die sie Verantwortung tragen (s. Bild) nach Kräften zu verdummen.
Theologen die den Atheismus predigen, sind fast schon zum Gewohnheitsmäßigen geworden. Was Augustinus noch als die Essenz der Sünde erkannt hatte und was man noch am positivsten als Zorn Gottes identifizieren kann, nämlich die curvatio in se ipsum, das Gekrümmtsein in sich selbst, wird jetzt zum Ideal, zum Ziel allen Strebens, zur obersten Agenda von "Kirche" erklärt. Applaus! Applaus!

Der Bischof nimmt derweil Anlauf zur Gründung seiner eigenen, alles tolerierenden Zeitgeistkirche. Auch hier wieder die selbe Verdummung: Toleranz und Liebe wird fälschlicherweise für die Taten der Menschen gefordert. Jeder ist halt so, wie er ist und soll so sein. Niemand darf etwas Besseres sein wollen oder zu Höherem streben, Gott bewahre!
So wie jeder ist oder gerade sein will, so will das auch Gott.
Es ist ein kleiner, schmiegsamer Taschengott. Er passt bequem in die Hosentasche und man kann ihn überall mit hinnehmen und jederzeit streicheln. Es ist ein braver Gott. Er will dich, genau so wie du gerade bist und nicht anders. Es spielt keine Rolle was du tust, hauptsache du tust es und lässt dich von niemandem davon abhalten oder dir etwas anderes erzählen! Du bist blöd!
Martin Buber übersetzt in seiner Bibelübersetzung das alttestamentliche Wort für Götze etymologisch korrekt mit "Gottnichts". Die Gottnichtse sind ein boomender Markt, Katholiken sind Stammkunden!

Das Z(d)K beschäftigt sich (mittels viel Geld und Lebenszeit) indes mit Scheinproblemen... Man "diskutiert" mit Gleichgesinnten zum 1000sten Mal über den selben Scheiss. Belügt sich selbst, um die Realität nicht wahrnehmen zu müssen, lacht über billige Witze. Der eigene Phantomschmerz ist eben oft gerade der schlimmste! Und irgendwie muss man sich ja schließlich eine Daseinsberechtigung verschaffen, und sei es, dass man diese in kindisch-bockiger "Kirchenkritik", die frappierende Ähnlichkeiten mit früh-adoleszenter Masturbation aufweist, zu gründen sucht.

It's insane!!
Die Räte und Gremien zerfleischen den Leib, von dem sie selbst ein Teil sind. Die Hand sägt den Arm ab oder reißt die Eingeweide aus dem Leib und nennt diese Tätigkeit in seliger Selbstzufriedenheit und erhobenen Hauptes ein "Streben nach Freiheit".

Es fällt mir so verdammt schwer, für diese Leute zu beten... Bibel hilft!

»[Ich] gedenke euer in meinem Gebet, dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen. Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist und wie überschwänglich groß seine Kraft an uns, die wir glauben, weil die Macht seiner Stärke bei uns wirksam wurde, mit der er in Christus gewirkt hat. Durch sie hat er ihn von den Toten auferweckt und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen Namen hat, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles, welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.« (Eph 1,16-23)

Der Bischof spricht


Ein bisschen O-Ton der Stellungnahme des EB zum Abschluss der Diözesanversammlung (chronologisch): 

"Ich nehme auch ihre Fragen und Sorgen ernst."

"Wir wollen agieren und nicht nur reagieren."

"Ich bin beeindruckt von der Ernsthaftigkeit unserer Beratungen."

"... dass nicht alles Wünschbare auch umgehend umgesetzt werden kann."

"Ich verstehe die Empfehlungen und die darin ausgesprochenen Ansichten als Zeichen ihres Interesses."

"... Schatztruhe [die Ergebnisse der Versammlung] ... nicht vergraben."

"Ich stehe dafür ein, das die Themen auf dem Tisch und damit präsent bleiben."

"... fiel mir auf, wie viele neue Stellen, Räte und Komissionen vorgeschlagen wurden."

"Manches muss differenzierter betrachtet werden und zusammengeführt werden."

"Ich werde mich einsetzen für eine weitere Vertiefung des gemeinsamen Priestertums aller Gläubigen."

"Neue kirchliche Dienstämter... etwa ein spezifisches Diakonat für Frauen. *Applaus*"

"... ist die Situation von homosexuell Empfindenden ANDERS als die Situation von wiederverheirateten Geschiedenen."

"... dass wir die betroffenen Frauen und Männer ernst nehmen. *Applaus*"

"... werde ich ein Beratungsgremium einrichten, in das AUCH unsere Ergebnisse einfließen werden."

"... erleben die Menschen eine FREIE Liturgie."

"... es liegt mir insgesamt sehr an einer geistlichen Vertiefung unseres Lebens."

"Jesus Christus" (Minute 20)

"... die Planung einer Zusammenkunft im kommenden Jahr."

"Ihr Engagement und ihr Einsatz erfüllen mich mit hohem Respekt und großem Dank."

*Laudatio*

"Wir haben Vieles aufgenommen das in unserer Erzdiözese weiterzugeben sich lohnt."

Samstag, 27. April 2013

Die Ergebnisse der Diözesanversammlung

Zur Einordnung etwas vorweg: Der ganze Sinn der Diözesanversammlung (hier) besteht darin, dass die versammelten 300 Vertreter aus der Erzdiözese (die natürlich sehr bedacht handverlesen sind!) am Ende mit "Empfehlungen" aufwarten sollen, auf die dann der Erzbischof "irgendwie" reagiert. Die Versammlung hat also keine gesetzgeberische Gewalt oder dergleichen. Allerdings ist unschwer ersichtlich, dass seine Exzellenz dadurch in ganz enormen Zugzwang gerät, denn wenn er schon "Demokratie" zulässt, wäre er der konkurrenzlose Buhmann, würde er am Ende nicht auch brav gehorchen!

Das Positive gleich vorgweg: Es gibt absolut rein gar nichts Überraschendes zu vermelden! Die drei Ausschnitte an der Seite (roter Punkt rechts bedeutet Zustimmung) zeigen mal nur die "brisantesten" Ergebnisse, nämlich jeweils für: "Zugang zu den Ämtern" (auf Deutsch: Frauenpriestertum und Abschaffung des Zölibats), "breite Diskussion über die Mitwirkung der Frauen" (auf Deutsch: Frauenweihe jetzt! Scheiss auf den Papst!!) und "uneingeschränkte Zulassung Wiederverheirateter zu den Sakramenten".
Zusammenfassend kann man also sagen, dass die Teilnehmer der Versammlung u.a. (es gab ja noch andere Themen...) mit überwältigender Mehrheit Frauen weihen, den Zölibat abschaffen und Ehebruch folgenlos machen wollen.
Prosit!

Ich habe das starke Gefühl, dass EB Zollitsch sich inzwischen wünscht, er hätte diesen Zirkus nie angeleiert. Morgen wird er dann zu den "Empfehlungen" Stellung nehmen und gewiss auch alle Beteiligten über den grünen Klee loben für ihr Engagement.

Marginalie: Zum fremdschämen fand ich es, dass bei der Präsentation der Ergebnisse - nota bene: es ging da also nur um die Präsentation des bereits "Erreichten"! -  vor und nach den einzelen (elf) Gruppen jedesmal ein Lied (qualvoll schief) gesungen wurde... "Atme in uns Heiliger Geist..." 


Faceplam-Momente gab es aber noch zuhauf... Der Live-Stream hatte heute was von Stand-up Comedy. Vor allem was Sprache anbelangt, glaubt man sich mit einer Herde von völligen Amateuren und Stuhlwärmern konfrontiert: Da wird z.B. eine "Klarheit der Sprache" gefordert, weil das Wort "Laie" in Welt und Kirche nicht das gleiche bedeutet, was als verwirrend empfunden wird. Oder es wird "Klarheit" gefordert etwa bezüglich der Regelung des Predigens von Laien in der Eucharistiefeier (diese Klarheit besteht: es ist nicht erlaubt!). Es ist echt zum Heulen!

Bankrott

Um für die Diözesanversammlung in Freiburg Platz zu machen, wurde für die dauer von 1,5 Wochen eine komplette Pfarrei evakuiert. Zur Linken kann der geneigte Leser betrachten, mit welchem kunsthistorischen Schmuckstück sich die Vertriebenen dieser Tage konfrontiert sehen. Es ist die Universitätskirche (Jesuitenkirche) in Freiburg. 
Sieht man von dem eher dürftigen und recht lieblos neben dem Tabernakel stehen gelassenen Vortragekreuz ab, gibt es nirgends in dieser Kirch ein Kreuz, weder fest oder als Teil oder Verzierungen anderer Austattungsgegenstände, noch mobil (nicht einmal auf dem Altar während der hl. Messe). In der Sakrtistei gibt es ein Kreuz (ohne Corpus), das wars.
Es ist eine überaus verstörende Kirche, die im Wesentlichen ein Gefühl hervorruft: Unwohlsein. Bei meinem ersten Besuch in dieser Kirche blieb ich nur ca. 2 Minuten, dann überrollte mich die Depression und ich kehrte an die frische Luft zurück. Seit dem stelle ich mir amüsiert vor, wie die monströse "Keule" in der Apsis mit viel Getöse auf den Hackblockaltar herunterkracht... (übrigens ist die gesamte Ausstattung nicht nur hässlich, sondern auch in fast jeder Hinsicht ganz außerordentlich unpraktisch, störend... sowohl für die an der Liturgie beteiligten, wie auch für das gläubige Volk).

Wie um alles in der Welt soll dieser Ort Suchenden Halt geben?
Wie soll hier die Gegenwart Gottes erfahrtbar werden?
Wie soll man sich hier etwa zum Priestertum und der Ganzhingabe an Gott inspirieren lassen?
Wo ist hier Schönheit, Freude, Hoffnung?
Ein weißer Raum, ein Stahlträger an dem eine riesige "Nagelkeule" hängt, ein menschlicher Torso ohne Arme und mit Cartoon-Füßen, ein paar Holzhocker.


Der Beste Kommentar zu diesem schrecklichen Ort erreichte mich vorhin per Mail:
»Die christliche Kunst aller Zeiten kannte unterschiedliche Ausdrucksformen. Doch immer beruhte sie auf jenen Motiven, auf denen die gesamte Schöpfung beruht: auf Harmonie und Schönheit. In ihrer darstellenden Form bemühte sie sich, der Wahrheit des Dargestellten
gerecht zu werden.

[...] 
Wenn der Sinn der christlichen Kunst in der Verherrlichung Gottes und der Heiligen und in der erbauenden Betrachtung der Gläubigen liegt, dann kann man hier in dieser Abwendung von der Schönheit und gottgegebenen Harmonie und Ordnung nur von einer gewaltigen Fehlleistung sprechen. Oder um es ein wenig spitz zu formulieren: ein Kunstwerk, das sich in einer Kirche befindet, muss auch den einfältigsten Menschen noch erfreuen, selbst wenn er nicht fähig ist, die tiefere Symbolik darin zu erkennen...«
(P. M.F.)

Wie passend wäre es gewesen, würde die Diözesanversammlung an diesem Ort tagen. Die Kirche ist farblos, bar jeder Schönheit... und Jesus hat keine Arme. Er ist eigentlich gar kein Mensch, denn er hat kein Gesicht. Es ist auch kein Gott da, denn der alles dominierende babylonisch-senkrechte Stahlträger gehört zum Gipfel menschlicher Zivilisation, menschlichen Machens.
Diese Kirche steht für mich schon sehr lange sinnbildlich für alles das, was in der Kirche (und in der Theologie) falsch läuft. Dieser Tage, da 150 Meter nebenan dem Atheismus gehuldigt wird und Gottes Zorn erfleht zu werden scheint, wird mir das umso schmerzlicher bewusst. Wer die Gestaltung dieser Kirche verbrochen hat, will jene Kirche, die der Leib Christi ist, genauso behandeln... er will sie, so drängt sich der dringende Verdacht auf, euthanasieren.

Freitag, 26. April 2013

Versammlung der Verunglückten II

»Es gibt nichts, über das hinaus Größeres für den Menschen zu denken und zu ersehnen wäre als das Recht auf Freiheit.« 

Das Impulsreferat von Prof. Striet zur Eröffnung der Diözesanversammlung in Freiburg gipfelte in diesem Satz. Und diese "Freiheit" ist es auch, die bei der anschließenden Sammlung der Eindrücke aus den Impulsen fast ausschließlich (positiv) zur Sprache kam.
Dieser Satz lässt sich mit einem Attribut akkurat  beschreiben: atheistisch.

In der Live-Übertragen konnte man vernehmen, wie er dahinter noch ein schüchternes, halblautes und syntaktisch völlig falsches "... und Gott" anfügte, offenbar ist ihm beim Vortragen des Satzes dann doch noch aufgefallen, was für einen theologischen Stuss er da von sich gegeben hat (im online abrufbaren Manuskript fehlt diese Hinzufügung)... 
(Für die Nichttheologen: "Das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann" (id, quo nihil maius cogitari potest) ist ein Satz des Kirchenlehrers Bernhard von Clairvaux, den Striet hier paraphrasiert und fast schon in sein Gegenteil verkehrt (denn mit "Freiheit" meint er de facto "Autonomie"!)... denn Gott ist für Bernhard das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann!)

Gottes Zorn

In Anlehnung an die bei der Diözesanversammlung als Grundstein gelegte Forderung nach der einklagbaren Anerkennung der "absoluten Freiheit des Einzelnen".

 

»Gottes Zorn besteht nicht in einem sinnlosen Schnauben, sondern in der Preisgabe des Menschen an sich selber, in der Autonomie des Geistes, der Seele und der Sinne des Menschen, in diesem seinem Überlassensein an die ἐπιθυμίαι (Begierden) des Herzens und die πάθη ἀτιμίας (entehrende Laster).«
(Erik Peterson, in seinem Kommentar zu Röm 1,26)

»Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit führen zur Gefangennahme und zum Verlust des λόγος, das wird uns ja experimentell jeden Tag vor Augen geführt. Man wundert sich, wie dumm die Menschen werden, aber die menschliche Dummheit gehört auch zu den Wirkungen des Zornes Gottes. Natürlich meinen wir mit Dummheit nicht das Fehlen von Intelligenz, sondern das Fehlen des λόγος. Wenn die Menschen den Antichristen anbeten werden, wird die menschliche Dummheit höchstes apokalyptisches Ausmaß erreicht haben.« 
(ders., zu Röm 1,18)

Donnerstag, 25. April 2013

Jesus: Weg und Ziel

»Damit aber der Geist auf diesem Weg des Glaubens voll Zuversicht zur Wahrheit hin sich bewege, so hat die Wahrheit selbst, Gott, der Sohn Gottes, indem er die Menschheit anzog, ohne die Gottheit auszuziehen, eben diesen Glauben festgesetzt und begründet, damit der Mensch zum Gott des Menschen einen Weg habe durch den Gottmenschen. Denn dieser ist „der Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus“. Gerade dadurch Mittler, daß er Mensch ist; dadurch auch der Weg. Wenn nämlich zwischen dem Strebenden und seinem Ziele ein Weg inmitten liegt, so besteht Hoffnung, das Ziel zu erreichen; fehlt aber ein solcher oder weiß man nicht, welcher einzuschlagen ist, was hilft es dann, das Ziel zu kennen? Der einzige gegen alle Verirrungen völlig sichernde Weg ist darin gegeben, daß ein und derselbe zugleich Gott und Mensch ist: als Gott das Ziel, als Mensch der Weg.«

(Augustinus, Gottesstaat XI,2)

Kampf der Begriffe

Nicht erst seit de Propagandakriegen des 20. Jahrhunderts ist bekannt, dass Begriffe sehr wichtig sind, um einer Agenda oder Ideologie zum Durchbruch zu verhelfen.
Das ist auf der einen Seite recht harmlos und manchmal eher witzig bis peinlich (etwa, wenn ein Begriff mit so hoher Frequenz gebraucht wird, dass man nur noch ein Rauschen vernimmt). So ein Beispiel ist der bemerkenswert unbiblische Begriff "Aufbruch", dessen inflationärer Gebrauch in deutschen katholischen Landen in der letzten Zeit unüberhörbar war (und den ich selbst auch als Label verwende, mal positiv, mal negativ gewendet). Soweit die harmlose Variante.

Viel gefährlicher ist demgegenüber die Prägung von Begriffen nicht nur in der Weise, dass ein ansonsten gebräuchlicher und sinnerfüllter Begriff mit neuen, den ursprünglichen Sinn oft vernebelnden und pervertierenden Inhalten gefüllt wird, sondern auch dahingehend, dass diese nun neu befüllten und dadurch auch emotional aufgeladenen Begriffe als Kampfbegriffe regelrecht besetzt und damit in Anspruch genommen werden.
Wichtigstes Beispiel der neueren Zeit war der Begriff der "Barmherzigkeit", über dessen Missbrauch ich mich hier eingehender ausgelassen habe (Lektüre sehr empfohlen!). Ein anderes beliebtes Beispiel ist der Begriff der "befreienden Sexualmoral" (vgl. hier).
Durch solcherlei Besetzung von Begriffen kann man eigentlich medial nur gewinnen, denn man hebt sich selbst als moralisch hochstehend hervor (man ist für Befreiung und Barmherzigkeit!) und kann gleichzeitig sicher sein, dass jeder der gegen die eigene Agenda oder Ideologie Widerstand leistet oder auch nur dagegen zu argumentieren versucht, medial als von niedrigerer Moral dastehen wird, denn dieser erscheint notwendig als der, der, nolens volens, dann gegen "Befreiung" und "Barmherzigkeit" ist. Weshalb es auch so wenig Widerspruch gibt, denn wer möchte schon gern als unmoralisch gelten.

Das neueste und vielleicht folgenreichste Beispiel dieser Masche ist der Gebrauch des Begriffs "Freiheit" bei der Eröffnung der Diözesanversammlung 2013 im Erzbistum Freiburg. Prof. Magnus Striet forderte in seinem Eröffnungsreferat von der Kirche nichts weniger als die Anerkennung der uneingeschränkten Freiheit jedes Menschen in der Kirche, zu glauben und zu leben was und wie es ihm beliebt.
Das Problem ist, dass hier in aller Stille ein Freiheitsbegriff aus dem säkularen Raum übernommen wurde, der mit der immer wieder beschworenen Freiheit eines Christen nichts zu tun hat. Es handelt sich um einen rein weltlichen Begriff von Freiheit der die Selbstbestimmung des Individuums frei von autoritären äußeren (z.B. staatlichen) Zwängen für seine Lebensgestaltung und seinem Denken betrifft. Man könnte auch von Autonomie reden (der Mensch als letzter Maßstab), oder von Relativismus.

Dieser Begriff ist aber mit dem christlichen Freiheitsbegriff schlechterdings unvereinbar, da der Christ sich ja gerade dadurch auszeichnet, dass er eine Autorität über sich anerkennt, welcher er unbedingten Gehosam zu leisten hat. Daher entsteht ja z.B. auch ein Zentralaspekt christlicher Weltdeutung genau aus dem Nichtgehorchen dieser Autorität gegenüber: Sünde. (Auch dieser Begriff wurde im erwähnten Referat gleich mal in Beschlag genommen.)

Zweierlei Aspekte der Freiheit lassen sich für den Christen ganz basal bestimmen:
1) Frei nach KKK 144 ist die Freiheit eines Christen dasjenige, wodurch er seinen Glaubensgehorsam aktualisiert und realisiert. (Weswegen auch niemand gezwungen wird, katholisch zu werden... oder zu bleiben *wink*.)

2) Zum anderen ist Freiheit das, was aus diesem Glaubensgehorsam erwächst und was Paulus die "herrliche Freiheit der Kinder Gottes" nennt (Röm 8,21). Diese ist aber gerade nicht jener säkulare Begriff von Freiheit, da, wie es Paulus schon insinuiert, Kind Gottes sein eben auch und gerade bedeutet, Gott (dem Vater) gehorsam zu sein. Das mag der Grund sein, warum sowohl in etwaigen Memoranden wie auch an der Diözesanversammlung immer wieder, wenn auch mit neuem Sinn befüllt, lutherisches Vokabular Verwendung findet ("ecclesia semper reformanda"; das Zweite Vaticanum sprach übrigens von der "ecclesia semper purificanda"! siehe dazu: hier): "Freiheit eines Christen(menschen)", anstatt Paulus zu zitieren.


Wohin diese unreflektierte und plakativ gebrauchte Begriffsbesetzung führt ist absehbar. Man wird "Freiheit" fordern und damit meinen, dass man sich an nichts gebunden wissen will, was dem eigenen Momentanbefinden (v.a. aber dem gesellschaftlichen Mainstream) widerspricht.
Die Freiheit die uns Jesus verheißen hat ist eine andere. Es ist eine Freiheit die uns dazu befähigt, uns sogar dahin führen zu lassen, wohin wir nicht wollen (Joh 21,18). Es ist gerade nicht das eigene Wollen und Begehren, das die Freiheit des Christen ausmacht. Der heutigen Tags in der Diözesanversammlung in den Reflektionen bei Weitem am häufigsten rezipierte Begriff ließt sich zwar genauso: "Freiheit", doch beinhaltet er das genaue Gegenteil dazu, nämlich den Primat der eigenen Wünsche und Vorstellungen, der unangefochten über der Kirche und ihrer Hierarchie situiert werden soll.
Es ist dies aber jene Kirche, der es zukommt "die in den zeitlichen Dingen zu befolgenden sittlichen Grundsätze zu lehren und authentisch zu interpretieren" (AA 24) und die das "göttliche Gesetz im Licht des Evangeliums authentisch auslegt" (GS 50), denn sie ist "die Säule und das Fundament der Wahrheit" (1Tim 3,15).

Es scheint mir, dass sich die Dialogprozessler und Diözesanversammler mit dieser Marschrichtung selbst in einen Käfig begeben, der weder dem Wesen der Kirche Christi, noch der Bestimmung des Menschen in ihr entspricht. Es werden Erwartungen und Träumereien forciert, die notwendig in Enttäuschung und Frust resultieren, sobald ersichtlich wird, dass die in der Gesamtansicht völlig unbedeutende katholische Kirche in Deutschland nichts zuwege bringen kann. Wieviel das ganze Trara kostet, will ich gar nicht wissen...
Ich verhöhne hier natürlich nicht die Teilnehmer dieser Versammlung, denn einige davon kenne und schätze ich sehr. Ich weiß aber auch aus eigener Erfahrung nur zu gut, dass die wenigen "vernünftigen" Stimmen nicht zu Wort kommen und sich erst recht nicht durchsetzen können werden, denn sie sind ja der Begriffsbesetzung wegen diejenigen, die dann als unmoralisch dastehen und die sich im Falle eines Einspruchs vor der geballten Macht von 300 Delegierten (plus Veranstalter, plus "Sachverständige", plus "Medien") rechtfertigen müssen für ihre Position, obgleich diese durch Bibel, KKK und CIC gestützt ist. Denn gewirkt hat die Propaganda (siehe Memorandum etc.) schon lange!

Versammlung der Verunglückten I

Prof. Magnus Striet hat in seinem Eröffnungsreferat der Diözesanversammlung implizit den im Säkularen allgegenwärtigen Relativismus als Maxime auch für die Kirche gefordert. Das Stichwort lautet "Freiheit". Der Einzelne ist laut Striet letzter und einziger Richter der eigenen Lebensführung und des eigenen Glaubens und die Kirche habe sich danach zu richten. Dies sei Gottes Wille.

Und obwohl die Anweisung hieß, er solle in seinem Referat die Situaton der Welt darstellen, hat er sich nicht geschämt, gleich mal Forderungen zu stellen ("Zulassungsbedingungen zum Amt" aka Frauenweihe, "unterschiedliche Lebensentwürfe" aka Ehebruch etc.)... den Widerspruch zu seiner These der "einklagbaren absoluten Freiheit" nennt er "Sünde".

Das fängt ja gut an...
*grusel*


Nachtrag: Wenn ich so drüber nachdenke... eigentlich trifft Prof. Striet damit genau den Nerv der ganzen Veranstaltung. Für ihn ist das was außerhalb von Glaube und Kirche liegt nämlich generell und immer kritiklos als normativ anzuerkennen und anzunehmen. Kritik kennt er nur für Glaube und Kirche. Und die bisher veröffentlichten Fitzel der "Perspektivtexte", auf deren Grundlage die Versammlung arbeiten soll, zeigen immer wieder genau diese Tendenz. 
Ausgehend davon, dass also die absolute und universelle freie Selbstbestimmung das Wichtigste für den heutigen Menschen in unserer(!) Gesellschaft sei (er nannte es, in Anlehnung an Anselm, das "worüber hinaus für den Menschen nichts größeres gedacht werden kann" und fügt gnädigerweise noch "und Gott" hinten an diese Aussage an), fordert Striet in seinem Referat von der Kirche, diesem Bedürfnis vollumfänglich zu entsprechen. Dass sie dem zu entsprechen habe, sei das Identitätsmerkmal der Kirche, weswegen Zuwiderhandlung (die "Angst" davor) Sünde sei...

Mittwoch, 24. April 2013

Manipulierter Dialog

Im Vorfeld der Diözesanversammlung in Freiburg erfährt man hinter den Kulissen so manches interessante Detail.

Wenig überraschend ist, dass sich auf der Liste der theologischen Referenten, welche übrigens bislang nicht öffentlich ist, wohl ausschließlich "Memorandumstheologen" finden. Da wurde anscheinend sehr gezielt und von wem auch immer ausgewählt. So wird etwa das Eröffnungsreferat, wie zu vernehmen ist (hier), von den Freiburger Theologen Magnus Striet (Fundamentaltheologe, der sich auf das große Haereticums spezialisiert hat) und Peter Walter (Dogmatiker) gehalten werden.

Befremdlich mutet es auch an, dass die so genannten "Perspektivtexte", die als Grundlage dessen dienen sollen, was an der Diözesanversammlung getan und geredet werden wird, bislang ebenfalls nicht veröffentlich wurden (nur die "Mitgleider" der Diözesanversammlung bekamen diese Texte). Aus den vor ein paar Wochen im Konradsblatt veröffentlichten Schnipseln (siehe hier) wurde aber schon ersichtlich, dass, v.a. mit der Forderung nach Frauenordination, das ganze Konstrukt auf tönernen Füßen steht. Wie man hört, ist das nicht der einzige "Hammer" in dem 66-seitigen Dokument. Rom würde sich vermutlich über ein eigenes Exemplar freuen...
Man fragt sich, welche Philosophie dahinter stehen mag, wenn man einen großangelegten und unwahrscheinlich papier wie geldintensiven Dialogprozess forciert an dem sich "jeder" beteiligen soll (ausdrücklich sogar Leute, die NICHTS mit der Kirche zu tun haben!), man dann aber das Ergebnis dieses Prozesses und damit die Grundlage der (nicht öffentlichen!) Diözesanversammlung nicht öffentlich macht.

Wie ich aus gut informierter Quelle erfuhr, äußern inzwischen auch einige deutsche Bischöfe hinter vorgehaltener Hand sehr deutlich ihren Unmut über das Gebaren ihres Freiburger Kollegen. ich wünschte nur, die würden das mal unter sich ausdiskutieren...


Mal schaun, wie sich das entwickelt, und was hier in den nächsten Tagen passiert.


PS. Von Mitarbeitern einer der Umzugsfirmen, die für die Leerräumung der für die Diözesanversammlung ausersehenen Kirche zuständig sind, war zu vernehmen, dass sie vom Erzbischöflichen Ordinariat angefragt wurden, möglicherweise im nächsten Jahr das Prozedere erneut durchzuführen. Das ist jetzt freilich nur wilde Spekulation, aber: Liegt da schon eine weitere Diözesanversammlung im Ideenkistchen? Und ums noch weiter zu treiben: Denkt man vielleicht sogar darüber nach, das zu einer regelmäßigen Einrichtung zu machen?

Montag, 22. April 2013

Katholizismus ist wieder interessant!!!1

Liebe Leute!
EB Zollitsch hat dieser Tage wohl irgendwie verlauten lassen, der Katholizismus sei wieder interessant, und dies würden wir Franziskus verdanken. Natürlich sehen sich viele (auf facebook und den Blogs...) gleich genötigt, dies als Breitseite gegen Benedikt XVI. aufzufassen.
Echt?

Nun, ich bin mir ja selber auch nie zu schade, den Freiburger Oberhirten zu bekritteln (wenn dies angebracht ist! siehe: hier) und auch jene Hypothek die er seinem Nachfolger in Form des Dialogprozesses und der fragwürdigen Diözesanversammlung (die in dieser Woche stattfindet und die mit ihren teils anti-kirchlichen Voraussetzungen hier gewiss noch Würdigung finden wird) hinterlassen wird, ist mir ein Graus. Aber ihm nun bei dieser an sich harmlosen Äußerung gleich Böswilligkeit zu unterstellen, halte ich doch für arg überdreht.

Ich muss hier an dieser Stelle zur Abwechslung mal meinen Bischof in Schutz nehmen und sagen: Er hat recht und ich stimme ihm zu!
Ja, Papst Franziskus hat tatsächlich bei vielen Menschen ein gewisses "Interesse" am Katholizismus geweckt, insofern durch die - zumindest medial unbestreitbar wirksame - "Neuheit" seines Auftretens und seines Zugehens auf die Menschen, viele "fasziniert" und "interessiert" sind, die vorher, hinter jenem Vorhang aus selbst und medial verschuldeten Vorurteilen und Klischees, die Demut und Herzlichkeit und Weisheit Benedikts nicht so sehen konnten. Und da der Papst gewissermaßen der wichtigste "Werbeträger" des Katholizismus ist (schlicht und ergreifend deshalb, weil er medial bei Weitem am präsentesten ist), wirkt sich das natürlich auch auf das Interesse an demselben aus. 
Lokal gesprochen: Gerade weil Benedikt ein Deutscher war, meinten die Deutschen sofort, ihn zu kennen. Der Exot aus Argentinien aber, da schaut man dann doch zweimal hin. 
Ich erlebe es ja selbst auch: Plötzlich stellen mir meine Verwandten Fragen zu diesem Papst und was er so sagt... wo es ihnen sonst ziemlich schnuppe war, dass ich überhaupt katholisch bin.

Also, Leute: Immer schööön langsam hier. 

Samstag, 20. April 2013

Papa Benedictus

»Heute ist viel von der Abschaffung des Leidens die Rede. Es wird polemisiert gegen die angebliche Verherrlichung des Leidens in der christlichen Geschichte, die man als schädlichen Masochismus brandmarkt. Von einer Verherrlichung des Leidens um seiner selbst willen, von einer Lust am Schmerz kann in authentischer christlicher Tradition keine Rede sein. Aber der Glaube hat aus dem Leid, das der Widerspruch gegen das Glück zu sein scheint, eine Schule des Menschseins gemacht und an die Stelle der Arroganz seiner Abschaffung, die eine Lüge ist, seine innere Umwandlung gesetzt. Leid wurzelt tiefer als die Strategie seiner Abschaffung. Die wahre Antwort kann immer nur in einem Mit-Sein bestehen. Deswegen liegt im leiden Christi die Erlösung der Welt. Deswegen müssen wir das göttliche "Mit", das uns darin geschenkt ist, von innen her empfangen lernen und es in einem menschlichen "Mit" aufnahmen und weitergeben.«

(Joseph Kardinal Ratzinger, in seinem Geleitwort zum "Kreuzeslob" von P. Bonaventura Pihan, 1987; Bischof Vorderholzer, ein Vertrauter des emeritierten Papstes, eröffnete dieser Tage, dass dieser erhebliche gesundheitliche Beschwerden habe.)
Betet für unseren "Heiligen Großvater" Benedikt!

Mittwoch, 17. April 2013

Der Geist in der Kirche


Ohne den Heiligen Geist ist Gott fern,
der Christus bleibt in der Vergangenheit, 
das Evangelium ist ein totes Buch,
die Kirche eine bloße Organisation,
die Autorität eine Herrschaft,
die Mission eine Propaganda,
der Kult eine Beschwörung,
das christliche Handeln eine Sklavenmoral.

Aber mit dem Heiligen Geist
ist der Kosmos erhöht und stöhnt in der Geburt des Reiches,
der Mensch kämpft gegen das Fleisch,
der Christus ist gegenwärtig,
das Evangelium ist Lebenskraft,
die Kirche Zeichen der trinitären Gemeinschaft, 
die Autorität befreiender Dienst,
die Mission ein Pfingsten,
die Liturgie Gedenken und Vorausnahme,
das menschliche Handeln verherrlicht.

(Ignatius von Latakia, 1968)

Montag, 15. April 2013

Deutsche Anbiederung?

leer...
Soso... EB Zollitsch und Eminenz Meisner haben Papst Franziskus zum Eucharistischen Kongress im Juni nach Köln eingeladen. Ganz ehrlich: Ich finde das lächerlich. 

Es drängt sich mir v.a. der Verdacht auf, dass man hier versucht sich anzubiedern an den Papst, damit er vielleicht nicht allzu ernst macht mit seiner Forderung nach Armut, wenn er nur sieht und erfährt, wie toll wir Deutschen das mit dem Katholischsein doch so hinbekommen.

Ich meine... warum sollte ein Papst, der ganz besonders die Ärmsten der Armen im Blick hat, sich in seiner ersten Auslandsreise ausgerechnet der materiell reichsten (und spirituell erbärmlichsten... man muss sich nur mal das "Programm" auf der Homepage des Kongresses ansehen oder sich an den letzten Katholikentag erinnern...) Ortskirche der Welt widmen, und das keine zwei Jahre nach dem letzten Besuch eines Papstes in dem selben Land? Eine Ortskirche, deren "offiziele" Vereinigungen und Einrichtungen nichts lieber taten, als auf Franziskus' Vorgänger rumzuhacken und ihn und seine Anliegen (z.B. "alte" Messe) zu hintergehen wo es nur ging, und die auch jetzt noch das Thema Entweltlichung (oder gar: Armut) großzügig zu umschiffen wissen. 
Und dann auch noch zu einem Kongress, den man damit vorzubereiten gedenkt, dass man eine leere Monstranz (s. Bild) durchs Land karrt (hää?).
Oha...

Sonntag, 14. April 2013

Wider die Hirtenromantik

Nach dem Messbuch der außerordentlichen Form ist heute der "Sonntag vom guten Hirten" (Ev: Joh 10,11-16). Die zuckersüßen "Guterhirte"-Darstellungen von Großmuttern sind mir ebenso suspekt wie Erstkommunionwattebäuschen an der Pinnwand im Seitenschiff. Aus meiner eigenen Erfahrung ist mir das Dasein des Hirten und das der Schafe anders in Erinnerung geblieben.

Der Hirte ist der, der den Schafen vorangeht und sie führt, oder der hintangeht und sie treibt. Der Hirte ist kein Kuschelonkel und die Schafe sind keine Kuscheltiere. Der Hirte ist derjenige, der die Schafe "auf grüne Auen" führt/treibt, der den bösen Feind, das Raubtier, das umherstreift zu suchen, wen es verschlingt, fernhält. Der Hirte führt die Schafe aus der allzu bequemen Sicherheit des Stalles über unwirtliche Felsen ins Weite, zum nahhaften Grün. Er trägt das Schaf, wenn es verletzt ist, aber er zögert auch nicht, die Schafe zu züchtigen, wenn sie bocken.

Der Hirte hat einen harten Job und einen spärlichen Lohn. Wind und Wetter ausgesetzt, erträgt er die gleichen Widrigkeiten wie die Schafe. Die Schafe halten zwar meistens irgendwie zusammen, aber immer wieder büchst eines aus, immer wieder werden sie unvorsichtig und überheben sich. Und der Hirte geht ihnen nach und sucht sie, selbst wenn es auch mal mehr als einen Tag dauert.

Schafe sind sehr misstrauisch gegenüber Schafen aus anderen Ställen, doch der Hirte hat beschlossen, alle bei sich zu sammeln. Der Hirte kümmert sich um seine Tiere, gibt ihnen auch mal einen Brocken Salz zu lecken. Ist die Wiese kahl oder gefroren, teilt der Hirte reichlich aus dem Vorrat der Scheune aus.  Der Hirte erfreut sich an seinen Schafen und die Schafe wissen, wer ihnen Schutz gibt. Aber der Hirte bleibt der Herr, der mit Rufen, sanften Schlägen oder auch mit dem Hund, die Schafe lenkt und auf der rechten Bahn hält.

Schafe gehorchen (hoffentlich). Schafe folgen ihrem Hirten nach! 
Dieser Hirte tut noch mehr, als jedes menschliches Pendant: Er gibt sein Leben für die Schafe!